Donnerstag, 24. januar 2008
Einhundert Stunden sind  überstanden, wenn es denn schon hundert Tage wären!

Aber immerhin muss ich feststellen, dass die akuten Rauchwunschattacken seit gestern leichter und weniger geworden sind.

Wenn sie kommen, dann atme ich tief durch und versuche mich abzulenken. Ich lese viel mehr als vorher. Lesen ist eine gute Ablenkungsmethode.

Gestern habe ich erfahren, dass das Haus, in dem ich seit zehn Jahren zur Miete wohne, verkauft werden soll. Und ich fürchte, der Kaufinteressent führt nichts Gutes im Schilde. Eigentlich der klassische Grund, sich hinzusetzen und erst einmal eine Zigarette zu rauchen. Das hätte allerdings die Situation auch nicht geändert. Also habe ich doch darauf verzichtet. Vielleicht ist es sogar gut so. Nachdem sich momentan sowieso alles ändert, warum nicht auch mal wieder einen Tapetenwechsel.

Ja, mein Leben zeigt tatsächlich Anzeichen von Veränderungen.

Ich nutze meine Zeit anders, gehe früher schlafen und meide den Alkohol. In die Kneipe traue ich mich noch nicht so richtig, bleibe brav zu Hause und schaue DVD"s. Irgendwie nicht gerade ein Künstlerleben.

Morgen werde ich mal vorsichtig in meinem Stammlokal vorbeischauen. Mal sehen, ob es jetzt besser geht.

Zumindest kann ich mich über das ersparte Geld freuen. Da ich täglich 40, manchmal auch 50 Zigaretten geraucht habe, habe ich die Ersparnis auf neun Euro am Tag festgelegt, fünf Tage ergeben somit 45 Euro. Dazu kommen 21 Euro, die ich in der Reduktionsphase weniger geraucht habe (5 x 4,20 Euro), macht bereits 66 Euro. Nicht zu vergessen das nicht verbrauchte Geld durch den Kneipenverzicht. Dafür kaufe ich aber mehr gute Lebensmittel ein. Fettarm, aber sonst nur vom Feinsten.

Demgegenüber stehen die Champix-Kosten. 155 Euro für sechs Wochen. Fehlen also noch 89 Euro. Mir bleibt also gar nichts anderes übrig, als noch zehn Tage durchzuhalten um zumindest plus minus null aus der Sache rauszukommen. Allerdings hätte ich dann umsonst gelitten.

Nochmal zu Champix. Ich bin relativ gross und wiege (noch) ca. 100 Kilo. Deshalb vertrage ich Medikamente (wie auch den Alkohol) ziemlich gut. Ich habe das Gefühl, dass die Wirkung des Medikaments bei mir teils sehr gut ist, nach einigen Stunden aber nachlässt und ich doch heftige Entzugserscheinungen verspüre. Wenn es so ist, wäre es aber auch nicht so schlimm. Vielleicht verspüre ich deshalb keine Nebenwirkungen und das Absetzen von Champix ist dann eventuell auch problemloser.

Auf jeden Fall bin ich immer noch gut motiviert und habe nicht vor aufzugeben. Die Freundin von mir, die mit mir zusammen aufhört, meinte heute, dass sie gestern am liebsten in aller Öffentlichkeit eine Zigarette geraucht hätte. Dazu hätte sie sich ein Schild um den Hals gehängt:" Ich rauche gerne!". Aber sie ist noch dabei.

Überhaupt fallen mir momentan überall die Raucher auf. Als wenn sie es alle absichtlich täten, um mich wieder in ihren Kreis zurückzuholen. Wie eine eingeschworene Sekte. Ich kann hinsehen wo ich will. Irgendjemand zündet sich immer eine Zigarette an und lässt genüsslich den Rauch durch seine Lunge ziehen. Eigentlich müsste ich die Armen, die da in Grüppchen vor den Büros und Lokalen stehen, fürchterlich bedauern. Aber noch beneide ich sie.





von volkerwinter veröffentlicht in: Raucherentwöhnung
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