Mittwoch, 30. januar 2008
Gestern war ich ziemlich gut gelaunt und richtig verwundert darüber, dass es mir bereits nach zehn Tagen schon wieder so gut geht. Ich musste die Tage wenig arbeiten und hatte gelesen, dass der Körper in der Enrwöhnungsphase, zumindest am Anfang, möglichst viel Ruhe und Erholung braucht. Es ist eben doch wie die Genesung von einer langen, langen Krankheit.

Also habe ich nur gefaulenzt und möglichst viel geschlafen. Ich habe derzeit sowieso Schlafstörungen, was ich durch einen langen Aufenthalt im Bett ausgeglichen habe. Wozu auch aufstehen, wenn es sowieso keine erste Zigarette mehr gibt. Ich hatte auch nicht das geringste schlechte Gewissen.

Am Sonntag war ich sogar fort  habe Freunde getroffen, getrunken und gar nicht so viel an das Rauchen gedacht. Ich hatte das Gefühl, das schlimmste tatsächlich überstanden zu haben.

Gestern war ich dann mit meiner zweiten Tablette schon etwas im Verzug und auf dem Weg nach Hause. Auf dem Heimweg dachte ich mir, ein Bier könnte eigentlich nicht schaden und ich suchte meine Stammkneipe auf. (Manche mögen lästern, aber ich bin nun mal Single und das ist mein zweites Wohnzimmer). Schließlich war ja auch am Vortag alles gut gegangen.

Oh Mann, bereits nach dem ersten Bier, bekam ich so ein massives Rauchverlangen, dass ich mich blitzschnell aus dem Staub und auf den Weg nach Hause machte. Dort nahm ich sofort eine Champix und  vertilgte jede Menge Salzstangen.

Mein Suchtzentrum ist ziemlich hinterlistig. Zuerst wiegt es mich in Sicherheit und schlägt dann gnadenlos zu. Ich fürchte, wir zwei werden noch einige Kämpfe austragen.

Jetzt bleibe ich wieder brav zu Hause.

Generell merke ich aber jeden Tag eine weitere Verbesserung. Mittlerweilen haben auch meine Raucherfreunde bemerkt, dass es mir offensichtlich ernst ist mit meinem Vorhaben und sie zollen mir durchaus Respekt. Wenn ich jetzt vor einem Gebäude durch die dort versammelten, frierenden Raucher gehe, mache ich dies mit erhobenen Kopf. Inzwischen bemitleide ich sie. Ja, ein bisschen stolz bin ich jetzt schon auf mich. Immerhin versuche ich etwas durchzuziehen, was 90% aller Raucher insgeheim auch wollen, nämlich endlich frei vom Qualm zu sein. Sicher elf Tage sind noch nicht die Welt, aber mir kommen sie verdammt lang vor. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich wäre die letzten Tage in Trance gewesen und fange erst langsam an wieder klarer zu denken. Das Rauchenaufhören ist eben ein psychischer Ausnahmezustand. Aber auch das wird sich mit der Zeit regulieren.

Ich esse auch wieder einigermassen normal und achte so nach und nach auf den Fettgehalt der Speisen. Heute war ich eine Stunde Walken und verzichte auf Rolltreppen und Lifte. Schließlich möchte ich es spüren, dass ich wieder mehr Luft bekomme.

von volkerwinter veröffentlicht in: Raucherentwöhnung Community: RAUCHERENTWÖHNUNG
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